BCB 2014 – Die wichtigsten Entdeckungen!

BCB Bericht

Der 8. Barconvent Berlin lud am 07. und 08.10 engagierte Bartender, Gastronomen, Produzenten und Kenner der feinen Getränke ein. Es galt die neusten Trends und Produkte vieler namenhafter Brennereien, sowie handwerklicher Kleinbetriebe und Soft-Drinkhersteller genauer unter die Lupe zu nehmen. Nun liegen zwei intensive Tage hinter mir und eine kleine seelische Katerstimmung lässt mich darin schwelgen. Was gab es also zu schmecken und erleben?

Im Fernbus blätterte ich in der neuen Mixology und dachte an die vielen Spirituosen, die eines Blickes wert sind. Ab dem wievielten Sample trübt sich der Blick durch die Wirkung des Alkohols? Kann ich den Produzenten noch gerecht werden, die mir ihre Produkte vorführen wollen? Vor einigen Tagen beim Spiritscup in Hamburg gab es Spuckkübel und ich war dankbar nach dem 20. Sample.

Die Stunden verstrichen und plötzlich stand ich im Loft meiner BCB-Reisegruppe. Es ging ins Chicago Williams, ein Refugium der amerikanischen Grillkultur. Ein erfrischendes Indian Pale Ale nordete meine Geschmacksnerven auf die folgenden Tage ein. Nach einem Schlachtfest aus Rippchen, Pastrami, Baked Beans, Mashed Potatoes und noch vielem mehr konnte man zufrieden und satt zum Mixology Market starten.

Der Mixology Market, die Auftaktveranstaltung dieses Barconvents, war der Preisverleihung des Mixology Bar Awards gewidmet. Nun konnte man gespannt mit den ersten Drinks der Sponsoren sehen, wer oder was dieses Mal für seine besonderen Leistungen in der Barszene geehrt wird. Aus der Liste der Gewinner sticht besonders Mario Kappes hervor, da er als Barchef vom Le Lion nicht nur als bester Gastgeber, sondern auch als Mixologe des Jahres 2015 ausgezeichnet wurde.

Der erste Messetag ließ die Ausmaße bestaunen, da es nun 3 Hallen mit über 200 Ausstellern und knapp 500 Produkten zu sehen und probieren galt. Punktuelle Verkostungen und Gespräche mit den Produzenten noch eher unbekannter Spirituosen standen im Vordergrund meines Besuches, welche durch einige Vorträge abgerundet wurden.

Generell gab es kleine Themenbereiche, wie etwa mit den südamerikanischen Produkten Tequila, Mezcal und Cachaça oder einer Ecke mit mehreren Bierständen. Es fiel auf, dass neben der bekannten Ginwelle auch die Begleiter Wermut und Filler besonders präsent waren. Außerdem waren die gelagerten Spirituosen Whisky und Rum sehr gut vertreten. Der Vodka buhlte in auffälligen Flaschen und mit offensiven Titeln, war aber angesichts des Marktanteils schwach vertreten. Überraschend fand ich die Präsenz von Craft Beer, welches sich momentan einen Platz in der Gastronomie erkämpfen will. Pisco, Sake, Bitters, Liköre und sonstige Spirituosen ergänzten die Vielfalt der Messe.

Ich empfand die Auswahl an Produkten und Herstellern als angenehm, wobei es merklich war, dass genügend Produkte mit Scheininnovation und Auffälligkeit dem sehr dichten Spirituosenmarkt noch etwas abgewinnen wollten. So unter anderem die Vodkaindustrie, die ein Problem plagt: Wie will man ein Produkt im Premiumbereich vermarkten, wenn höchste Qualität aus Neutralität besteht und es schon genügend geschmacksarme Produkte gibt? Welches Alleinstellungsmerkmal kann es da noch geben?

Dieses fand ich bei der Start-Up Marke Freimut. Er solle Wiedererkennungswert durch Geschmack haben, um sich aus der Masse der Hersteller hervorheben. Basis ist das Malz des norddeutschen, sortenreinen Champagnerroggens. Wie der Name Freimut sagt, hat man keine Angst gehabt mit seinem Bild eines Vodkas bestehende Konventionen zu brechen. Für mich ist es der erste Vodka, der nicht nur pur funktioniert, sondern auch einem Cocktail das gewisse Etwas zu geben vermag. Vollmilchschokolade, reife Bananen und Malz, dennoch dieses weiche und frische Gefühl eines Vodkas mit Zitrusnoten. Macht einen schokoladigen Martini mit einem Dash Chocolate Bitters! Ansonsten muss man ihn nicht komplett eiskalt trinken, sondern kann mit der Temperatur die Aromen steuern. Einzig der Preis könnte ein Stolperstein werden, da 40 € pro 0,7 l Flasche bei Vodka keine Seltenheit sind, es aber dennoch sehr viel Geld für eine ungelagerte Spirituose bleibt.

BCB Bericht Chocolate Martini

Chocolate Martini
6 cl Freimut Vodka
1 Dash TBT Chocolate Bitters
Coat – Rührglas und Eis mit weißem Wermut benetzen (danach abgießen)
Stir – Strain – Vorgekühltes Cocktailglas
Garnitur: Vollmilch- und Zartbitterschokolade, Physalis
Geschmack: frisch und leicht, dann bittere Schokolade, sanfter Nachklang

Apropos Martini, gibt es etwas wirklich neues im Bereich Gin?
Viele Marken und Produkte kannte ich schon, so etwa The Duke, Gin Mare und noch einige weitere. Hier ging es vor allem um designete Cocktails von talentierten Barkeepern, die den präsentierten Gin in der Fülle der Auswahl hervorstechen lassen sollten.

Ein anderes Konzept verfolgt das Unternehmen Windspiel, welches mit einem eigenen Tonic und den dazu passenden Ginpralinen auffährt. Die kleine 0,05l Ginabfüllung macht mit Tonic und Schokolade somit ein schmackhaftes und stilsicheres Geschenk.

BCB Bericht GinIm Bereich der floralen Gins gibt es mittlerweile auch so einige Produkte auf dem Markt, der Gin Rosa aus dem Hause Bordiga (mit 3 weiteren Gins) hat dies jedoch auf die Spitze getrieben. Vom Geruch noch einigermaßen dezent floral mit Lakritznoten, wird der Gaumen mit einem Blumenstrauß geschlagen. Pur also kaum genießbar, aber dafür ist Gin zumeist auch nicht gedacht. Im Gin&Tonic mit etwas frischeren Tonics, wie dem Thomas Henry, ergibt sich eine süße und rosige Komposition. Man muss es sehr vorsichtig dosieren, wobei eine Zeste als Gegenkomponente den Drink rund macht.

Rosetonic
1 cl Gin Bordiga Rosa
3 cl Gin Bordiga Dry
Top off mit Thomas Henry Tonic Water
Im Double Old Fashioned Glas auf Eis bauen und mit Zitronenzeste absprühen.
Garnitur: Zitronenzeste

Doch wo viel Gin ist, ist auch Wermut nicht fern! Der Negroni (mit seinen Varianten) ist zwar nicht “everybody’s darling“, besitzt jedoch eine große Fangemeinde. Gin gibt es schon in Unzahl, Campari bleibt was es ist und nun zieht der Weinaperitif nach. Belsazar, einer der ersten deutschen Wermutproduzenten, möchte dabei die Palette um den Charakter deutscher Weine erweitern und bietet deshalb zarte, unoxidierte Produkte an. Campari würde den roten Wermut im Negroni erdrücken, der minzige Fernet Branca könnte (in geringer Dosierung) jedoch eine würdige Variation liefern.

Die Entdeckung der Messe war für mich eine japanische Frucht und ihre Verwendungen:
Yuzu. Diese kernige Zitrusfrucht fährt mit milder Säure und den feinen Aromen der asiatischen Küche auf. Bambus- und Lycheearomen machen es zu einem einzigartigen Säurelieferant für fernöstlich angehauchte Drinks. Allein der Geruch macht Lust auf eine thailändische Glasnudelsuppe!

Auf der Messe fand man diese Frucht zum einen beim Sakehersteller Île Four, der mit seinem Yuzu Sake den cremigen Reiswein mit der frischen Frucht kombiniert und ein mixfreundliches Getränk liefert. Für Korianderfreunde (zu denen ich mich zähle) unter uns gibt es den Konami, ein Signaturedrink von Île Four.

Des weiteren fand sich im Schatten der Diageobar ein kleiner Stand mit Jinzu, einem „british gin with a japanese twist“, so wie er mir von der Produzentin und Bartenderin Dee Davies beschrieben wurde. Dieser florale Gin auf Sakebasis setzte sich im Wettbewerb Show your Spirit durch und ist nun im Portfolio von Diageo. Yuzu und Kirschblüten sind die besonderen Botanicals und mit weiterem Yuzusaft, etwas Zuckersirup und Prosecco macht es eine exotisch-frische Alternative zum French 75.

BCB Bericht Japanese 75

Japanese 75
4 cl Jinzu Gin
2 cl Île Four Yuzu Sake
1 BL Simple Syrup
Stir mit einem Zitronengrashalm – Sektflöte
Top Off mit Cave de Lugny (Crémant de Bourgogne)
Garnitur: Zitronengras
Geschmack: Frische vom Zitronengras in der Nase, am Gaumen Bambus, Wein, Reis, Wacholder. Herb, komplex, frisch.

Mein Cocktail des BCB 2014 geht auch in die exotische Richtung: Nespresso Refresher.
Jede Zutat fügt sich gut in das Konzept ein und schafft einen sehr runden und ungewöhnlichen Cocktail. Zugegeben: Aufwändig ist es schon, doch wer eine Erweiterung seiner Geschmackpalette sucht, der wird hier fündig!

BCB Bericht Nespresso Refresher
5 cl Havana Club Especial
2 cl Kaffirlimettensirup
1 Tasse Nespresso Ristretto
Top off mit Ginger Beer Espuma und Peychauds Bitters;
Shake – Strain – gefrorenes Double Old Fashioned Glas;
Garnitur: Kaffirlimettenblatt + Thymianzweig (angeklatscht);
Geschmack: In der Nase frischer Anis. Ristretto und Kaffirlimette bilden eine Einheit, welche der Rum abrundet. Frisch, exotisch, herb.

Nach all diesen starken Spirituosen gibt es erst einmal ein Bier zur Entspannung des Gaumens.
Nun fragt sich: Welches? IPA, Witbier, Rauchbier, Rotbier… Allein die Auswahl an Biersorten ist immens, ganz zu schweigen von der Fülle an Brauereien, die nun wieder aus der Erde schießen und ihre Kreationen den Besuchern der BCB offenbarten.

Für die Gastronomie von besonderem Interesse könnten die Biere von Ratsherrn sein, da es neben einer guten Qualität und Auswahl auch einen günstigen Preis ab 15 € pro 24 / 0,33 l Kiste netto bietet. Meinen persönlichen Geschmack hat das belgische Wit von Ratsherrn getroffen, da es eine zusätzliche Geschmacksebene der Botanicals, wie etwa Kamille und Orangenschale, in sonst klassisches Bier bringt.

Ein weiteres exotisches Bier liefert Vida Latina, eine mexikanische Brauerei, die aus Agaven Bier herstellt. Geschmacklich geht das Bier nicht in die getreidig-malzige Richtung und ist auch nicht stark gehopft, sondern bekommt durch die Agave eine besondere Fruchtigkeit (Erdbeere/Vanille, Birne). Leider besitzt es eine dünne Textur und wenig Schaum. Man könnte es als leichtes Sommerbier trinken, wobei der Preis von 5-6 € pro 0,33 l dem im Wege steht. Ich kann verstehen, dass Agave eine teure Zutat ist, da sie mehrere Jahre zur vollständigen Reife benötigt. Wohingegen Weizen und Geste halbjährig geerntet werden können. Leider macht es aus Agavenbier ein schwer zu verkaufendes Premiumprodukt.

Diese Produkte habe ich besonders interessant gefunden, es gab jedoch sicherlich noch Dutzende weitere Getränke, welche meine Aufmerksamkeit verdient hätten. Es war jedoch unmöglich noch viel mehr zu verkosten, ohne am nächsten Morgen mit einer retrograden Amnesie zu erwachen. Die vielfältigen Vorträge internationaler Referenten bedurften zusätzliche Zeit und Aufmerksamkeit. Die Diskrepanz aus der Größe der Messe, der beschränkten Zeit und der detaillierten Gespräche mit den Produzenten bzw. Referenten könnte mit einem dritten Tag BCB entzerrt werden.

Alles in allem war es ein wirklich bereichernder Barconvent. Einen Einblick in die neuen Produkte habt ihr jetzt, doch möchte ich euch eine andere Botschaft der Barmesse nicht vorenthalten: Fortbildung und Diskurs in der Barszene.
Deswegen handelt der nächste BCB-Artikel vom Vortrag Jeffrey Morgenthalers „Technique Driven Cocktails“ und seiner Bedeutung für die Bargastronomie.

Nun seid ihr gefragt:
Kennt ihr eines der Produkte, bzw. wart auch Gast der BCB und hattet andere Highlights?
Sollte ich weniger Produkte vorstellen und im Gegenzug diese detaillierter darstellen?
Über ein kleines Feedback würde ich mich sehr freuen, da dies mein erster Artikel ist.

1 comment Write a comment

  1. Glückwunsch zum ersten Artikel Steve! Du weißt ja bereits, dass er mir sehr gut gefällt und ich freu mich auf viele weitere Artikel von dir!

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